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Tipps und Hilfe zur Bewerbung

Von Wunderkerzen und allzu freizügigen Bildern
Warum Originalität bei Bewerbungen oft ins Auge geht

Ein Beitrag von Vogel & Detambel coaching for executives


Der Umschlag mit den Bewerbungsunterlagen wird geöffnet und heraus fällt eine Stecknadel. Dummerweise genau in die PC-Tastatur. Und wie es der Zufall so will: Sie verfängt sich zwischen dem „z“ dem „h“. Das Drücken der entsprechenden Tasten führt dazu, dass der PC auf einmal wie von Geisterhand nur noch „h´s “ auf dem Bildschirm erscheinen lässt.
Nach einigen Fingerübungen ist die Stecknadel entfernt und man findet schließlich auch die Erklärung für dieses „Gimmick“ in den Bewerbungsunterlagen: „Mit mir haben Sie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen gefunden“. Jeder kann sich vorstellen, wie froh der Personalbearbeiter über so eine Bewerbung ist und mit welcher Freude er weiterliest.

Aber es gibt auch andere Beispiele. Wunderkerzen, die aus dem Umschlag fallen, haben es ebenfalls in sich. Zum Teil schon pulverisiert stauben sie den Schreibtisch ein und lassen die Herzen im Personalbüro zugleich höher schlagen. Die Erklärung des Bewerbers dazu: „Wenn Sie meine Unterlagen lesen, wird Ihnen ein Licht aufgehen“.

Fotos aus der Kinderzeit des Bewerbers als „Hingucker“ auf dem Lebenslauf und dazu die Aufforderung: „Lesen Sie selbst, was aus mir alles geworden ist“. Ein weiterer Gag aus der unendlichen Trickkiste. Na prima. Auch anscheinend ganz alltägliche Dinge, wie Bewerbungen auf CD-Rom (mit kleinen Videosequenzen und Hörbeispielen) können voll ins Auge gehen. Dann nämlich, wenn der Adressat der Unterlagen entweder gar kein CD-Rom-Laufwerk hat (nach wie vor gar nicht so selten) oder aber einfach keine Lust, die CD-Rom zu starten. Weil er vielleicht schon beim Einlegen aufgefordert wird, noch dieses oder jenes Programm zu laden.

Und dann gab es da ja auch noch den Fall einer Dame, die sich als Moderatorin in einer Hörfunkredaktion mit einem mehr als freizügigen Bild und einem (wie Sie sicherlich meinte) treffsicheren Anschreiben beworben hat. Gleich im ersten Satz der Initiativ- Bewerbung war da zu lesen: „Ich bin sicher, Sie benötigen für Ihre Sendung ... eine neue Moderatorin“. Nein, das war nicht der Fall. Denn der Leser dieser Bewerbung war selbst der Moderator dieser Sendung und er hatte eigentlich nicht den Eindruck, dass er dringend ersetzt werden müsse. Und warum das Bild mehr als „brustfrei“ war, dafür gab es auch keine Erklärung. Im Radio sieht man es doch sowieso nicht....?

Nur einige Beispiele von ganz vielen, in denen Bewerber versuchen, sich durch besondere Originalität hervorzutun. Zugegeben: Nicht alle müssen ins Auge gehen. Die Bewerberin für eine Ausbildungsstelle im Konditorhandwerk, die Ihre Bewerbung als Torte abgegeben hat, bekam die Stelle. Mit Zuckerguss waren die wichtigsten Lebensdaten darauf als Garnierung zu lesen. Und auch in PR-Agenturen soll es durchaus Menschen geben, die Freude daran haben, wenn jemand eine originellere Weise der Bewerbung als die des Schnellhefters wählt. Sicherlich aber Ausnahmen. Die Mehrzahl der Firmen denkt eher konservativ.

Auch Personalberater sind in erster Linie keine „Humorberater“ und „Lach-Könige“, sie wollen in den seltensten Fällen mit immer neuen Gags und Kalauern überschüttet werden. In erster Linie wollen Sie schnell durch die Unterlagen kommen und mit wenig Aufwand Wesentliches über den Bewerber erfahren.

Und selbst wenn der Bewerber noch so von der Originalität überzeugt ist: Humor ist nicht, wenn man trotzdem lacht, sondern immer Geschmackssache und hat damit eine geringe und für eine Bewerbung gefährlich geringe Trefferquote. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mehrzahl der Leser die Mappe nur deswegen kopfschüttelnd weglegen, weil sie den Gag eher daneben fanden, ist einfach zu hoch.

Keine Frage: Originell sollten die Unterlagen schon sein. Originell im Sinne der ursprünglichen Wortbedeutung: „Einmalig“! Einmalig gut nämlich. Das fängt zum Beispiel mit dem Material an.


  • Statt billigem Kopierpapier (500 Blatt zu 9,99 DM) sehr gutes Papier mit Wasserzeichen verwenden (gibt es nur im Fachhandel).

  • Kein Schnellhefter aus dem hintersten Supermarktregal, sondern eine hochwertige Bewerbungsmappe aus dem Schreibwarengeschäft.

  • Kein Automatenfoto, sondern ein Bewerbungsfoto von einem echten Fotografen (der zum Beispiel weiß, dass ein Passfoto eben kein Bewerbungsfoto ist).



Und dann ist natürlich der Inhalt entscheidend:


  • Individuelles Anschreiben, das Interesse weckt, mehr über diese Person zu erfahren,

  • ein individuell (auch im Hinblick auf die Stelle) gestalteter Lebenslauf,

  • aussagekräftige Zeugnisse, wobei man hier - außer auf Vollständigkeit zu achten - wenig tun kann. Zeugnisse sind wie sie sind und lassen sich (leider) nicht ohne weiteres verändern.



Das alles macht eine wirklich „originelle“ Mappe aus. Und hier muss sicherlich keiner damit rechnen, dass die Meinungen darüber auseinander gehen. Qualität erkennt jeder, Witze und müde Kalauer nur die wenigsten. Und wer nun doch auf „Nummer sicher“ gehen und in Erfahrung bringen will, ob es nicht besser wäre, eigene Kreativität oder Einfallsreichtum mit Arbeitsproben (nämlich der „kreativen Mappe“) zu belegen (z.B. im Bereich PR, Marketing oder Entwicklung), der kann das gerne tun. Anruf genügt. Der Adressat der Unterlagen sagt einem auf Nachfragen gerne, was er von „Wunderkerzen & Co“ hält oder ob er doch lieber die „normale“ Mappe bevorzugt. Und wenn das Telefonat richtig gut lief, der „Funke“ sozusagen vom Bewerber auf den Personaler übersprang, hat man sowieso schon (fast) alles für die eigene Originalität und das „im-Gedächtnis-bleiben“ getan. Dann kann man auf die trickreichen Gimmicks gleich ganz verzichten.



Autorenbild Vogel & Detambel coaching for executivesÜber die Autoren:
Vogel & Detambel
coaching for executives
Lortzingstr. 7
65187 Wiesbaden
Kompetenz aus 25 Jahren Tätigkeit in den Bereichen Personalberatung und Executive Search (u.a. für Neumann International, Berndtson-Gruppe, Eurosearch-Gruppe, Knight-Wendling), Outplacementberatung seit 1994.
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eMail: info@vogel-detambel.de