Tipps und Hilfe zur Bewerbung

Studium abgebrochen - und jetzt?

Ein Beitrag von Gitte Härter


Sie haben ein Studium begonnen – stellen aber nach ein paar Semestern fest, das ist doch nicht das Gelbe vom Ei. Oder Sie rasseln durch. Was nun? Will Sie jetzt noch jemand da draußen, als Abbrecher?



Ja.

Erstmal kein Grund zur Aufregung. Ein abgeschlossenes Studium ist nicht der alleinige Maßstab. Erfolgreiche Hochschulabsolventen werden in gewissem Rahmen zwar bevorzugt. Der Arbeitsmarkt hat sich aber zum Glück in den letzten Jahren durchaus entspannt: immer mehr Unternehmen legen großen Wert auf die Person und können mit Makeln im Lebenslauf leben, möchten aber nachvollziehen können wie-wo-was.

Unternehmen möchten für ihre freien Positionen fähige Mitarbeiter, die für die Aufgabe qualifiziert sind und die reinpassen. In der Regel treffen Personalentscheider natürlich eine erste Auswahl aufgrund von „Aktenlage": die Unterlagen, die vorliegen, werden nach vielversprechend, okay und „is nix" vorsortiert. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich als Studienabbrecher ins richtige Licht rücken, um nicht gleich aussortiert zu werden.



Ihre Eigenpräsentation

Wer direkt nach seinen (abgebrochenen) Studium ins Arbeitsleben möchte, hat allerdings eine Hürde: Sie haben in der Regel schon aufgrund ihres Alters noch nicht wahnsinnig viel vorzuweisen: Da tut sich natürlich ein junger Abbrecher (klingt irgendwie gemein, das Wort) nicht so ganz einfach, zu belegen, was er alles kann.



Was können Sie tun?

Ihre Bewerbungsunterlagen müssen stimmen (ein „Gesicht" haben, vollständig, ...)

Ihr Anschreiben ist individuell und bringt etwas über Ihre Persönlichkeit rüber

Haben Sie Praktika gemacht? Dann die Zeugnisse/Bescheinigungen darüber beilegen (nachfordern, wenn Sie bei einer Firma keines verlangt/bekommen haben)

Geben Sie doch Referenzen an: Kann jemand über Sie und ihre Arbeitsweise Auskunft geben? (Wird häufig gar nicht in Anspruch genommen, aber kommt gut.)



Fragen vorweg nehmen

Machen Sie sich nicht dauernd selbst ein schlechtes Gewissen. Und reden Sie sich nicht ein, dass Sie keiner will. Beides begegnet mir leider häufiger: der Bewerber fühlt sich wegen irgendeiner Sache selbst so schlecht, dass alle Gedanken nur noch darum kreisen.



Nehmen Sie statt dessen Fragen vorweg:

- Warum haben Sie dieses und jenes Studienfach überhaupt gewählt?

- Warum haben Sie sich entschlossen, das Studium abzubrechen?

Vielleicht auch etwas provokanter:

- Wenn Sie nicht einmal ein Studium durchhalten, warum sollten Sie in dieser Position am Ball bleiben?

Beantworten Sie sich selbst diese Fragen ganz offen. Was würden Sie spontan darauf sagen? Was, wenn Sie etwas überlegen.

Wenn ich hier von Fragen spreche, geht es mir übrigens noch gar nicht um ein Bewerbungsgespräch. Bereits im Bewerbungsstadium sollten Sie sich damit auseinandersetzen.

Warum?

Sie möchten sich vielleicht auf eine Position bewerben, wo ein abgeschlossenes Studium als Muss-Kriterium angegeben ist. – In so einem Fall würde ich auf jeden Fall den Abbruch bereits offensiv im Anschreiben angehen.

Es kann sein, dass Sie schon vor einem Gesprächstermin einen Anruf von der Firma bekommen, bei der Sie sich bewerben. Auch in so einem Fall sollten Sie schon vorbereitet sein.



Sie brauchen übrigens nichts erfinden

Wichtig ist die Plausibilität. Wie ich oben bereits erwähnt hatte, sind mehr und mehr Unternehmen – auch große Konzerne – offen für „schräge" Lebensläufe, wenn diese begründet werden können. Vergessen Sie etwaige Ratgeber oder Berichterstattung, die Ihnen erzählt, Sie müssten jetzt eine präsentable Story vom Pferd erzählen. Bleiben Sie ruhig bei der Wahrheit. Es gibt doch einen Grund, warum Sie das Studium abgebrochen haben.

Natürlich sollen Sie diesen dann geschickt präsentieren. Aber immer bei der Wahrheit bleiben. Das macht am meisten Eindruck.



Im Notfall: die etwas andere Bewerbung

Wenn Sie schlechte Schulzeugnisse haben, keine oder nicht so schmeichelhafte Praktikantenzeugnisse und durch’s Studium gerasselt sind, dann wird’s natürlich auf den ersten Blick nicht so rosig mit Bewerbungsunterlagen sein: alle Punkte, die ich Ihnen oben bereits geraten habe, gelten auch hierfür. Wenn Sie allerdings auch bei Ihren Belegen nicht soooo gut abschneiden, hilft nur noch eines: die kreative Bewerbung, die aus der Rolle fällt -–oder das persönliche Ansprechen eines Unternehmens, so dass ein erster Kontakt hergestellt wurde.

Mit ersterem meine ich nicht die Halli-Galli-Bewerbung. Sondern einfach eine etwas andere Form, in der Sie die begleitenden Zeugnisse einfach erst einmal vorenthalten – und sich auf ein gutes Anschreiben, den Lebenslauf und – wenn Sie haben – ein bisheriges Tätigkeitsprofil (Praktika) konzentrieren.

Denken Sie immer daran: die Bewerbung soll als Ticket für die Einladung zum persönlichen Gespräch dienen. Zum Gespräch aber bitte spätestens alle Unterlagen mitbringen.



Dran denken: Es ist wie es ist

Klingt etwas seltsam, soll heißen: Sie haben ein abgebrochenes Studium. Das ist jetzt einfach mal so. Also grämen Sie sich nicht drum herum, sondern konzentrieren Sie sich darauf, wie Sie Ihre Person und Ihre Fähigkeiten aktiv einer Firma vermitteln können.



Autorenbild Gitte HärterÜber die Autorin:

(c) Gitte Härter
eMail: objektiv@selbstmarketing.de

Gitte Härter war selbst Führungskraft und viele Jahre Coach und
Trainerin. Außerdem hat sie über zwei Dutzend Ratgeber
veröffentlicht: www.schreibnudel.de .

Gemeinsam mit Christine Öttl hat sie unter anderem
Bewerbungsratgeber veröffentlicht.

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