Tipps und Hilfe zur Bewerbung

Tücken im Lebenslauf

Ein Beitrag von Gitte Härter


Der Lebenslauf gibt einen Gesamtüberblick über Ihren beruflichen Werdegang. Er ist häufig die Grundlage für das Bewerbungsgespräch.

- Was ist, wenn Sie eine dicke Lücke in Ihrem Lebenslauf haben? Wenn Sie zwischen zwei Arbeitsstellen drei Monate Urlaub gemacht oder ein halbes Jahr arbeitslos gewesen sind?

- Was ist, wenn Sie an jeder Stelle nur wenige Monate waren – und Ihr Lebenslauf aussieht, als wanderten Sie unstet von einem Arbeitgeber zum nächsten?

- Oder wenn Sie ganz generell eine unkonventionelle Mischung der verschiedensten Positionen und Branchen vorweisen können, die dazu geeignet ist, einen Personalentscheider nervös zu machen?



Eines vorweg: Bleiben Sie bei der Wahrheit. Immer.

Mit Lügen gewinnen Sie erstens keinen Pokal, und zweitens kommen sie raus – wenn nicht jetzt, dann später. Der Clou ist die positive Präsentation. Und natürlich Ihre Glaubwürdigkeit.



Die Gestaltung des Lebenslaufs

Jeder weiß, wie ein Lebenslauf auszusehen hat. Dennoch werden häufig Fehler gemacht.

Schlecht ist es beispielsweise, wenn Sie bei der Aufzählung Ihrer unterschiedlichen Arbeitsstellen lediglich die Jahreszahlen angeben:

1982 – 1983 Rechtsanwaltsgehilfin, Kanzlei Meier & Partner, München

1983 – 1985 Verwaltungsangestellte, Stadt München

Schreiben Sie auf jeden Fall die jeweiligen Monate mit dazu.
Wenn Sie nur die Jahreszahlen angeben – was mir leider in Bewerbungsunterlagen häufig untergekommen ist – kann ich nichts rauslesen und werde unter Umständen misstrauisch. Oder aber missmutig, weil ich erst aus den (hoffentlich beigefügten Zeugnissen) heraussuchen muss, wann Sie wo waren.

Im konkreten Beispiel könnten Sie von 12/82 bis 1/83 bei dieser Kanzlei gewesen sein, also nur zwei Monate. Oder aber von 1/82 bis 12/83. Außerdem kann es sein, dass die anschließende Position erst Monate nach Ihrer Tätigkeit bei der Anwaltskanzlei begann, Sie also hier eine Lücke haben, die ich mir nicht erklären kann.
Schaffen Sie also von vornherein Klarheit.

Häufig gibt es gar keine Lücken, sondern es wird durch diese ungenaue Auflistung nur der Verdacht geschürt.

Wenn einige nicht belegbare Monate zwischen zwei Arbeitsstellen liegen, ist das allein noch kein Beinbruch. Sie sollen nur die Karten auf den Tisch legen – und nicht versuchen, etwas vor mir zu verbergen.



Warum ist eine Lücke überhaupt der Rede wert?

Stellen Sie sich vor: Sie haben eine Stelle zu besetzen. Sie bekommen zig Bewerbungsmappen auf den Tisch. Aufgrund der schriftlichen Unterlagen müssen Sie eine Vorauswahl treffen – und irgendwie abschätzen, welche der Bewerber

> am ehesten für die Position qualifiziert zu sein scheinen (fachlich und persönlich)

> zu Ihnen passen

Sie können nicht jeden einzelnen Bewerber zum persönlichen Gespräch einladen, sondern müssen sich auf einige wenige beschränken. Also werden Sie sich anhand der schriftlichen Unterlagen ein möglichst gutes Bild verschaffen wollen, um die richtige Vorauswahl zu treffen.

Papier wird einer Person zwar nie voll gerecht, sagt aber eine Menge aus. Der Zustand und der Inhalt Ihrer Bewerbung sind Ihre Visitenkarte, Ihr erster Eindruck, Ihre Chance, sich zu präsentieren.

Einen Gesamtüberblick über den beruflichen Werdegang des Bewerbers bekommen Sie, wie gesagt, im Lebenslauf. Und dort möchten Sie auch auf den ersten Blick sehen, welchen Berufsweg der Kandidat hinter sich hat.

Eine Lücke zu haben ist also nicht weiter schlimm. Sofern Sie dazu stehen und eine Erklärung dafür geben können. Keine Sorge: Sie werden nicht gleich verurteilt, nur weil Sie zwischen zwei Positionen ein halbes Jahr durch die USA gereist sind. Im Gegenteil: Damit beweisen Sie ja Initiative, Interesse am Ausland, haben Ihr Englisch aufpoliert, und und und.

Aber wenn Sie ein „Loch" haben, das für den Personaler unerklärlich ist, dann ist das nicht gerade der Hit. Denn Sie könnten genauso gut für diese sechs Monate wegen Betruges hinter Gittern gesessen haben (mal etwas überspitzt ausgedrückt).



Was mache ich, wenn ich mehrere Monate arbeitslos war?

Offen mitteilen. Erzählen Sie gleich mehr dazu. Wie haben Sie die Zeit denn ausgefüllt, in der Sie keine Arbeit hatten? Haben Sie sich beim Arbeitsamt um eine Fortbildung bemüht und diese nicht bekommen? Sagen Sie es! Haben Sie die unfreiwillige Freizeit in irgendeiner Form positiv genutzt?

Bitte denken Sie daran: die Wahrheit sagen!

Allerdings kommt es auf Ihre Wahrheit an. Ich kenne Leute, die waren mit Absicht einige Monate arbeitslos, weil sie erstmal Pause machen wollten – und von ihrem Arbeitslosengeld leben. Das natürlich bitte nicht sagen. Hier überschreiten wir die Grenze zur bedingungslosen Wahrheit und zur Ungeschicktheit.

Sie haben also sechs Monate lang keine Anstellung gefunden? Schildern Sie die Situation, machen Sie sie greifbar.

Statt nur zu sagen: „Da war ich arbeitslos.", können Sie erklären:

„Ich habe bei der Firma xyz damals gekündigt, weil ich mich anders orientieren wollte. Damals dachte ich, daß es für mich leichter wäre, in die xy-Branche einzusteigen. Leider stellte sich heraus, dass es in Hamburg damals kaum offene Stellen in diesem Bereich gab. Nachdem ich zwei Dutzend Absagen bekommen hatte, war ich ziemlich frustriert. Dann habe ich mich beim Arbeitsamt erkundigt, wie ich meine Chancen, in diesen Bereich einzusteigen, verbessern könnte. Ich habe dann eine Fortbildung zu xyz gemacht und - damit ausgerüstet - eine Stelle als ... bekommen."

Dieser Text ist nur ein Beispiel - und natürlich müssen die Angaben, die Sie machen, auch stimmen. Also nicht etwa irgendeine Fortbildung ausdenken, die gar nicht stattgefunden hat.
Sie sehen, dass durch die Erklärung für Ihr Gegenüber Ihre damalige Situation plastisch wird. An der Lücke ist – wie gesagt – nichts Schlimmes. Sie zeigen, dass Sie sich damals aktiv mit Ihrer Situation auseinandergesetzt haben.



Was mache ich, wenn ich überall nur wenige Monate tätig war?

Was sind denn Ihre Gründe für’s Job-Hopping?

Es gibt ja Branchen, wie die Werbung, da ist es fast normal, wenn man überall nur kurz seine Zelte aufschlägt. Meistens kommt ein sprunghafter Lebenslauf nicht so gut an. Denn natürlich weiß ein Personaler auf der einen Seite, dass er keine Garantie hat, dass jemand lange bei seinem Unternehmen bleiben wird. Aber auf der anderen Seite muss er sein Schicksal ja auch nicht herausfordern mit jemandem, der schon in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen hat, dass er ein Wanderer ist.



Also hinsetzen und mal aufschreiben:

Was hat Sie bei den einzelnen Firmen dazu bewogen wegzugehen?

Erst wenn Sie die Gründe für sich selbst ehrlich wissen, können Sie sie auch glaubwürdig zur Sprache bringen.

Es gibt Gründe, die außerhalb Ihrer Macht liegen. So hatte ich in meiner Zeit als Abteilungsleiterin einige Pechvögel im Gespräch, die sich zielsicher immer Firmen ausgesucht hatten, die entweder schließen mussten oder aus finanziellen Gründen Personal abbauten. Kürzlich war eine Sekretärin in einem unserer Bewerbungstrainings, die dieses unglaubliche Pech sage und schreibe viermal hintereinander mit unterschiedlichen Firmen hatte!

(Um das zu vermeiden: Nutzen Sie das Bewerbungsgespräch dafür, sich aktiv einen Eindruck zu verschaffen, ob Sie bei dem Unternehmen überhaupt arbeiten wollen. Viele Kandidaten sind so damit beschäftigt, unbedingt „die Stelle zu kriegen", dass sie sich nicht fragen, ob sie überhaupt diese Position wollen.)



Wenn es sich um persönliche Gründe handelt:

Warum haben Sie es denn nicht länger in der Firma ausgehalten?

Vielleicht sind es menschliche Gründe: Tendieren Sie dazu, impulsiv das Handtuch zu werfen, sobald Ihnen ein Vorgesetzter „blöd" kommt? Oder hatten Sie regelmäßig Ärger mit Kollegen?

In solchen Fällen hinterfragen Sie das – gegebenenfalls mit Hilfe eines Dritten. Denn wenn Sie sich immer wieder menschlich in derselben Sackgasse befinden, egal in welcher Firma Sie sind, dann nehmen Sie dieses Problem auch zur nächsten Stelle mit. Und so sind Sie dann dauernd „on the run", was nicht angenehm ist.

Wollten Sie mit den vielen Wechseln Ihre Karriere aktiv pushen? Sich jedesmal finanziell verbessern?

Oder wurde es Ihnen nach dieser Zeitspanne immer zu langweilig und routinemäßig, weil Sie die Aufgabe beherrschten? Wenn ja: Erklären Sie sich. Und erklären Sie pro-aktiv, was Sie brauchen, damit eine Aufgabe für Sie auch längerfristig eine Herausforderung bleibt!

Beantworten Sie auch ungefragt: Wie sollte eine Aufgabe/ein Unternehmen beschaffen sein, um Sie länger zu halten?



Was mache ich, wenn ich einen sehr unkonventionellen Berufsweg habe?

Abitur abgebrochen, Fremdsprachenkorrespondent gelernt, Panflöten auf Ibiza verkauft, dann Disponent in einer Zeitarbeitsfirma, momentan ein Praktikum auf einem Bio-Bauernhof? Und bewerben tun Sie sich jetzt auf eine Stelle im Vertrieb?

Ich rate Ihnen in so einem Fall, die Vorteile gleich mit hervorzuheben:

Sprechen Sie Ihren „schrägen" Berufsweg im Anschreiben an, erklären Sie in kurzen Sätzen (keine Romane!), wie es dazu kam. Picken Sie die Aspekte Ihrer verschiedenen Tätigkeiten heraus, die für die Stelle, auf die Sie sich jetzt bewerben, vorteilhaft sind – und unterstreichen Sie so Ihre einschlägige Erfahrung und damit Qualifikation.

Und ergänzen Sie das Ganze – sofern es wahr ist (!) – durch die Bemerkung, dass Sie jetzt eine längerfristige Position anstreben und sich am liebsten innerhalb eines Unternehmens weiterentwickeln möchten.

Sofern Sie eine rastlose Natur sind, die ohnehin schon weiß, dass sie nach acht Monaten weiterzieht, ist es fairer, sich gleich befristet anstellen zu lassen. Denken Sie dran: Es kostet nicht nur das Unternehmen Zeit und Geld – sondern beeinträchtigt auch die Kollegen, die gleich wieder auf Sie verzichten müssen.



Nochmal zusammengefasst:

> Sagen/schreiben Sie die Wahrheit!

> Überlegen Sie sich, wie Sie Ihre Gründe präsentieren (im Lebenslauf & später im Gespräch)

> Seien Sie pro-aktiv und antworten Sie lieber mit mehreren Sätzen, die Ihrem Gegenüber Ihre Situation und Ihre Gedanken plastisch machen – ggf. bereits im Anschreiben.

> Wenn Sie einen „Makel" im Lebenslauf haben bzw. etwas als Manko empfinden, sprechen Sie diesen Punkt unaufgefordert an und erklären Sie ihn (ohne in Rechtfertigungen abzurutschen).

Viel Erfolg!



Autorenbild Gitte HärterÜber die Autorin:

(c) Gitte Härter
eMail: objektiv@selbstmarketing.de

Gitte Härter war selbst Führungskraft und viele Jahre Coach und
Trainerin. Außerdem hat sie über zwei Dutzend Ratgeber
veröffentlicht: www.schreibnudel.de .

Gemeinsam mit Christine Öttl hat sie unter anderem
Bewerbungsratgeber veröffentlicht.

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