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Tipps und Hilfe zur Bewerbung

Bewerbungsgespräche: der erste Eindruck

Ein Beitrag von Christine Öttl


Der Eindruck, den man als Bewerber in den ersten Momenten macht, ist wichtig und hat Auswirkungen auf das ganze Gespräch. Aus diesem Grunde lohnt es sich auf jeden Fall, sich darüber Gedanken zu machen und sich darauf vorzubereiten - um die erste Begegnung mit dem Interviewer bewusst, aktiv und im eigenen Sinne gestalten zu können.

Wenig hilfreich ist es allerdings, Thesen wie "Man hat nur einmal die Gelegenheit, einen guten ersten Eindruck zu machen. Wenn man diese verpatzt, ist die Sache schon gelaufen." für bare Münze zu nehmen. Denn so kann man sich enorm unter Druck setzen - und je verkrampfter und gestresster man ist, umso "bedrohlicher" empfindet man die Situation.

Das ganze Gespräch zählt!

Bitte lassen Sie sich nicht dazu verleiten, sich nur auf die allerersten Momente zu fixieren und davon auszugehen, dass Ihr Gesprächspartner sich innerhalb von Sekunden eine endgültige Meinung über Sie bilden wird, an der Sie dann nichts mehr ändern können.

Tatsache ist, dass sich der erste Eindruck im Laufe des Gespräches sehr wohl ändern kann - und zwar in beide Richtungen. So gibt es Bewerber, die auf Anhieb einen sehr positiven Eindruck machen, im Laufe des Gespräches aber immer stärker verblassen oder letztendlich gar ein wenig schmeichelhaftes Bild hinterlassen. Und Bewerber, die sich am Anfang weniger gut präsentieren, aber während des Interviews aufblühen und sich als interessante und vielversprechende Kandidaten beweisen.

Bitte vergessen Sie nicht: Sie haben im Laufe des Bewerbungsgespräches viele verschiedene Chancen, sich von Ihren guten Seiten zu zeigen und einen positiven Eindruck zu hinterlassen - und nicht nur in den ersten Momenten.

Das heißt natürlich nicht, dass Sie sich um den allerersten Eindruck überhaupt nicht kümmern und ihn als nebensächlich abtun sollten. Als guter Bewerber liegt es Ihnen am Herzen, das ganze Gespräch in Ihrem Sinne mitzugestalten und vom Anfang bis zum Schluss einen guten Eindruck zu machen. Und keine Frage: Ein gelungener Anfang, ein positiver erster Eindruck ist der optimale Beginn für ein angenehmes und gutes Gespräch. Für Sie selbst, weil Sie sich sicherer und wohler fühlen und Ihre Nervosität sehr schnell in den Griff bekommen. Für Ihren Gesprächspartner, weil er sich in Ihrer Anwesenheit wohl fühlt und Sie gerne näher kennen lernen möchte.



Eine gute Vorbereitung als starkes Fundament

Eine gute, fundierte und umfassende Vorbereitung auf das ganze Bewerbungsgespräch hilft Ihnen auch dabei, vom allerersten Moment an einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Denn je besser Sie vorbereitet sind, je klarer Sie über sich selbst und das Unternehmen sowie die angestrebte Position Bescheid wissen, umso souveräner und ruhiger werden Sie von Anfang an sein. Diese Selbstsicherheit und innere Stärke strahlen Sie auch nach außen aus - und zwar vom allerersten Moment an.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von konkreten Verhaltensweisen, mit denen Sie von Anfang an zu einem positiven persönlichen Eindruck und einer angenehmen Ausgangssituation beitragen können.

Hier ein paar Anregungen dazu:

- Sobald sich Ihr Interviewpartner Ihnen nähert: Nehmen Sie Blickkontakt auf und sehen Sie ihn freundlich an.

- Stehen Sie auf, gehen Sie offen auf ihn zu (Blickkontakt halten) und geben Sie ihm die Hand. Achten Sie auf einen angenehmen Händedruck - weder lasch noch zu fest.

- Lassen Sie sich auf die Art Ihres Gesprächspartners ein: Wenn dieser ruhig und zurückhaltend ist, warten Sie erstmal ab. Wenn er mit Small talk und Fragen loslegt, lassen Sie sich auf das Gespräch ein. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Gegenüber sich mit dem Gesprächseinstieg schwer tut, können Sie den ersten Schritt tun und z. B. Ihre ersten Eindrücke oder Ihre Anreise ansprechen. Wichtig ist, dass Sie Ihren Gesprächspartner weder überfallen noch sich alles aus der Nase ziehen lassen.

- Bleiben Sie sich selbst treu und spielen Sie nicht ein falsches Spiel, um einen vermeintlich guten ersten Eindruck zu machen. Wenn Sie eher ruhig und zurückhaltend sind, dann sollten Sie nicht den Extrovertierten hervorkehren - sondern auf Ihre ruhige und zurückhaltende Art auf den Gesprächspartner zugehen.


Wichtig: den ersten Eindruck machen Sie beim Betreten des Unternehmens

Viele Bewerber konzentrieren sich ausschließlich auf die Begegnung mit dem Interviewer und verpassen es, sich um einen positiven ersten Eindruck bei all den anderen Leuten zu kümmern, mit denen sie im Unternehmen zusammentreffen (vor und nach dem Gespräch oder während einer Führung durch die Firma). Das ist schade, denn häufig werden die Mitarbeiter danach gefragt, welchen Eindruck die verschiedenen Bewerber auf sie gemacht haben - und ihre Meinung kann sehr wohl in die Entscheidung mit einfließen.

Bitte achten Sie darauf, allen Leuten offen, freundlich und höflich zu begegnen. Das hilft Ihnen übrigens auch dabei, Nervosität abzubauen und schneller ruhig zu werden - und stärkt Sie somit für das Zusammentreffen mit dem Personalentscheider.


Der erste Eindruck ging daneben? Lassen Sie die Sache nicht auf sich beruhen.

Ja, es kann mal passieren, dass die ersten Momente nicht in Ihrem Sinne verlaufen. Oder dass Sie das Gefühl bekommen, in ein Fettnäpfchen getreten zu sein oder einen falschen ersten Eindruck hinterlassen zu haben.
Selbst dann muss das noch lange nicht heißen, dass die Sache für Sie gelaufen ist und Sie nichts mehr tun können. Bitte vergessen Sie nicht, dass Sie den Verlauf des Gespräches aktiv mitgestalten können und sollen - und dass es im Interesse beider Seiten ist, offen und direkt zu kommunizieren und eventuelle Missverständnisse möglichst schnell zu klären.


Hier ein paar Beispiele für unangenehme Situationen gleich am Anfang. Und wie Sie damit umgehen, sie entschärfen bzw. ausbügeln können:


- Sie kommen zu spät.

Bitte entschuldigen Sie sich sofort und ehrlich für die Verspätung. Eine gute Sache ist es, gleich höflich nachzufragen, ob Ihr Interviewer noch Zeit für Sie hat oder ob es besser wäre, einen neuen Termin zu vereinbaren.
So beweisen Sie nicht nur eine gute Kinderstube, sondern auch Respekt für Ihren Gesprächspartner und seine Zeitplanung.


- Das Gespräch verzögert sich deutlich und Sie können Ihren Unmut nicht ganz verbergen.

Sie können sich später für Ihre Reaktion entschuldigen und erklären, warum Sie genervt waren: Vielleicht hatten Sie sich total abgehetzt oder einen anderen Termin extra verschoben ...
So zeigen Sie, dass Sie selbstkritisch sind und proaktiv mit Ihren Schwächen umgehen.


- Sie haben schweißnasse Hände und Ihre Stimme vibriert vor lauter Aufregung.

Zum einen sollten Sie das nicht überbewerten, weil die meisten Bewerber sehr aufgeregt sind und Ihr Gegenüber diese Anzeichen von Nervosität bestimmt als etwas ganz Normales betrachtet. Zum anderen können Sie auch diese Sache ansprechen: "Es tut mir Leid, dass meine Hand nicht taufrisch ist. Ich bin ziemlich aufgeregt, wie Sie sich bestimmt vorstellen können."
So beruhigen Sie sich selbst und belasten sich nicht während des ganzen Gespräches mit der Befürchtung, möglicherweise einen negativen und unprofessionellen ersten Eindruck gemacht zu haben. Und Sie zeigen Ihrem Gesprächspartner, dass Sie offen und auch mutig sind.


- Sie haben vergessen, Ihr Handy auszuschalten, und es klingelt während der Begrüßung.

Bitte schalten Sie es sofort aus und entschuldigen Sie sich, dass Sie das versäumt hatten. Und konzentrieren Sie sich dann voll auf das Gespräch.
So zeigen Sie, dass Sie souverän mit einer solchen Panne umgehen können.


- Sie haben eine deutlich sichtbare Laufmasche in Ihrer Strumpfhose.

Viel besser als darauf zu hoffen, dass Ihr Gegenüber es hoffentlich nicht bemerken wird, ist es es, Ihr Missgeschick anzusprechen und zu sagen, dass es Ihnen peinlich ist.
So nehmen Sie zum einen viel Druck von sich und können sich viel besser auf das Gespräch einlassen. Zum anderen vermeiden Sie, dass Ihrem Gesprächspartner die Sache peinlich ist bzw. er Ihnen Nachlässigkeit und Schlampigkeit unterstellt.


Bitte vergessen Sie nicht, dass Ihr Gegenüber genau wie Sie selbst ein ganz normaler Mensch ist - und meistens auch über viel Erfahrung und Menschenkenntnis verfügt. Das heißt, er ist vertraut mit der Nervosität und Aufgeregtheit der Bewerber - vor allem ganz am Anfang des Gespräches - und weiß es sehr wohl zu relativieren, wenn jemand nicht super selbstsicher und perfekt auftritt.

Übrigens: Wenn Sie clever und souverän mit einem verpatzten ersten Eindruck umgehen, können Sie nicht nur alles wieder gutmachen, sondern unter Umständen sogar erst recht von sich überzeugen.



Autorenbild Christine ÖttlÜber die Autorin:

(c) Christine Öttl, objektiv. Management & Lebensqualität
eMail: objektiv@selbstmarketing.de

Christine Öttl war selbst Führungskraft und viele Jahre Coach und
Trainerin mit Schwerpunkt Bewerbung. Gemeinsam mit Gitte Härter
hat sie unter anderem Bewerbungsratgeber veröffentlicht.

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