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Tipps und Hilfe zur Bewerbung

Das Anschreiben: Herzstück Ihrer Bewerbung

Ein Beitrag von Gitte Härter


In der Regel ist Ihre Bewerbung eine unter vielen. Stellen Sie sich einen Stapel von Bewerbungsmappen vor. Der Personaler "scannt" die Bewerbungen, um eine Vorauswahl zu treffen: Das heißt, er lässt Ihre Unterlagen auf sich wirken und schaut sich mehr oder weniger ausführlich an, was Sie zu bieten haben.
Ganz klar: Wenn das, was er sieht, vielversprechend aussieht, wird der Personalentscheider sich auch gerne mehr Zeit nehmen. Ein ganz wesentlicher Aspekt dabei ist das Anschreiben.

Ein gutes Anschreiben

macht den Empfänger neugierig darauf, mehr vom Bewerber zu erfahren

ist individuell auf die Position/das Unternehmen abgefasst

vermittelt, welche persönlichen und fachlichen Qualifikationen Sie mitbringen



Kurz & knackig – aber aussagekräftig!

Die meisten Anschreiben sind voll von Phrasen: "Ich bewerbe mich um die Stelle als ...", "Ich interessiere mich für ...", "Ihre Anzeige hat mich angesprochen und deshalb schicke ich Ihnen meine Bewerbung". Das brauchen Sie gar nicht extra im Anschreiben zu sagen: Ihre Bewerbung hat der Personaler ja bereits in der Hand.

Besonders schade ist es, wenn der erste Satz des Anschreibens aus so einer Phrase besteht: Denn dieser erste Satz ist die prominenteste Stelle. Die allerersten Worte, die Sie an den Empfänger richten. Geben Sie sich damit besondere Mühe!
Übrigens ist es gar nicht so schwer, einen guten Einstieg zu finden – am besten ist es, auf die Stellenausschreibung Bezug zu nehmen. Mit einem Satz wie "Sie suchen eine kompetente Assistentin mit Auslandserfahrung ..." entlocken Sie dem Personalentscheider innerlich ein Nicken. Denn die sucht er ja.

Tipp: Orientieren Sie sich ruhig an der Wortwahl der Anzeige, aber beten Sie nicht alle Eigenschaftswörter einfach runter.

Bevor wir etwas näher auf die Inhalte des Anschreibens eingehen, noch ein Tipp zur Länge: Es gibt immer wieder den Hinweis, dass ein Anschreiben maximal eine Seite lang sein darf. Wichtig ist, dass Ihr Anschreiben relevant ist. Wenn Sie sich auf aussagekräftige Inhalte konzentrieren und etwas Mühe auf die Formulierung verwenden, kommen Sie locker mit einer Seite aus.

Sofern Ihnen eine Seite tatsächlich nicht reicht und sie sicher sind, dass alles, was Sie geschrieben haben, wirklich wichtig ist, fangen Sie ruhig eine zweite Seite an. Das ist besser, als möglicherweise wild zu quetschen, um alles auf einer Seite unterzukriegen.

Übrigens hat sicher noch nie jemand nur deshalb eine Absage bekommen, weil sein Anschreiben eineinhalb Seiten lang war!

Tipp: Wenn Sie Ihren Bewerbungsbrief fertig haben, lesen Sie ihn ein zweites Mal mit dem Ziel durch, alles, was nicht relevant ist, zu kürzen. Dazu gehören Füllwörter und "schwafelige" Einleitungen. Ein schönes Beispiel sind die oben bereits erwähnten Phrasen: Ihre Beteuerung, dass Sie sich bewerben, weil Sie interessiert sind, ist durch den Betreff schon erledigt und durch die Tatsache, dass Ihre Bewerbungsunterlagen vorliegen.



Individuell auf das Unternehmen zugeschnitten

Haben Sie einen Standard-Bewerbungsbrief? Oder aus irgendeinem Ratgeber ein Muster abgekupfert? Es ist ganz einfach: Wenn Sie Ihr Anschreiben beliebig an die verschiedenste Unternehmen schicken können, ist es schlecht. Punkt.

Sie haben doch einen Grund, sich speziell für diese Position oder bei dieser Firma zu bewerben! Ich erinnere mich an die Bewerberin, die sich für eine Controller-Stelle bei BMW bewarb. Ihre Bewerbung war tadellos: gute Optik, sehr sorgfältig zusammengestellt, ansprechendes Foto, supergute Zeugnisse. Aber ein 08/15-Anschreiben ... "ich bewerbe mich ... habe diesesundjenes gemacht ... würde mich über eine Einladung freuen".

Als ich die Bewerberin fragte, warum sie sich denn ausgerechnet bei BMW bewerbe, geriet sie spontan und aufrichtig ins Schwärmen. Sie sei ein Fan der Firma, sie liebe die Autos und wünsche sich seit Jahren, dort mitzuarbeiten. – Wow! Das Anschreiben dagegen war platt und nichtssagend.

Tipp: Fragen Sie sich immer selbst: Wieso genau hat mich diese Anzeige angesprochen? Was reizt mich an der Position/dem Unternehmen ganz konkret? Wenn Sie das wissen, können Sie dies auch mit einfließen lassen.

Ein Unternehmen möchte interessierte Mitarbeiter, die sich gezielt bewerben – und nicht welche, die einfach irgendeine Stelle haben wollen.

Ach, noch was: Bitte nicht Pseudo-Begeisterung heucheln und den Leuten Honig um den Bart schmieren! Eine gute Bewerbung ist immer authentisch. In beiderseitigem Interesse.



Ein konkretes Bild von sich selbst zeichnen

Bringen Sie möglichst viel von sich selbst im Anschreiben unter: Damit ist nicht quantitativ, sondern qualitativ gemeint. Denken Sie wieder an den Stapel Bewerbungen, die der Personaler auf dem Schreibtisch liegen hat: Die Bewerbungsmappen sehen mehr oder weniger gleich aus. Ein gutes Foto macht sie schon mal individueller greifbar – der Personalentscheider kann sich buchstäblich ein Bild von Ihnen machen. Aber wie genau Sie sind, ob es sich "lohnt", Sie einzuladen, weiß er noch nicht.

Hierzu ein kleiner Schwenk:
Natürlich kann und wird ein Unternehmen niemals jeden Bewerber einladen (können). Das heißt, dass es immer darum geht, eine Auswahl zu treffen. Diese Auswahl wird zu einem Teil nach fachlicher Qualifikation getroffen (Was hat der Bewerber bereits gemacht? Welche Qualifikation kann er belegen? Wie fallen seine Zeugnisse aus? etc.) – zu einem anderen Teil völlig individuell. Jeder Personalentscheider hat andere Kriterien, auf die er Wert legt. Ein sehr wichtiger Aspekt ist allerdings auch die Persönlichkeit des Bewerbers. Passt der Mitarbeiter zu uns, unserem Unternehmen, unserem bestehenden Team, unseren Geschäftspartnern? Passt seine Art?

Deshalb ist es wichtig und auch vorteilhaft für Sie, sich "greifbar" zu machen.



Seien Sie immer Sie selbst!

Versuchen Sie nicht, sich so zu präsentieren, wie Sie denken, dass der andere es gerne sieht.

Tipp: Viele Bewerber machen den Fehler, in ihrem Anschreiben mehr Werbung für die Firmen zu machen, bei denen sie bisher tätig waren, als über sich selbst zu sprechen. Immer dran denken: Es geht um Sie.



Bitte fehlerlos!

Selbstverständlich sollte auch sein, dass Sie Ihr Anschreiben vor dem Verschicken gewissenhaft durchlesen und auf Rechtschreibfehler prüfen. Bitten Sie gegebenenfalls jemanden um Hilfe, der gut deutsch kann.

Also: Keine Hektik! Diese fördert nicht nur Tipp- und Flüchtigkeitsfehler, sondern führt eventuell sogar dazu, dass Sie wichtige Informationen vergessen. Ich erinnere mich an eine sehr interessante Bewerbung, wo ich den Absender sehr gerne zu einem Gespräch eingeladen hätte ... wenn derjenige nicht seine kompletten Kontaktdaten vergessen hätte!



Autorenbild Gitte HärterÜber die Autorin:

(c) Gitte Härter
eMail: objektiv@selbstmarketing.de

Gitte Härter war selbst Führungskraft und viele Jahre Coach und
Trainerin. Außerdem hat sie über zwei Dutzend Ratgeber
veröffentlicht: www.schreibnudel.de .

Gemeinsam mit Christine Öttl hat sie unter anderem
Bewerbungsratgeber veröffentlicht.

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