Tipps und Hilfe zur Bewerbung

Frustfaktor Bewerbung

Ein Beitrag von Gitte Härter


Eine Absage nach der anderen, die Arbeitsmarktlage, persönliche Unsicherheiten oder Hindernisse im Lebenslauf ... da kann's einem schon vergehen. Und: Die Energie ist weg, der Frust dafür umso größer.

So verständlich Mutlosigkeit, Ärger und Wut sind, so sehr legen Sie sich damit selbst ein Ei. Denn Frust hat eine große Auswirkung darauf,

- wie Sie sich bewerben
- wie aktiv Sie im Bewerbungsprozess sind
- wie es Ihnen persönlich geht
- was Sie ausstrahlen (gegenüber potenziellen Arbeitgebern, aber auch im persönlichen Umkreis)

Wichtig ist nun, mit diesem - verständlichen! - Frust umzugehen und sich nicht davon unterkriegen zu lassen.


Ein paar Beispiele aus der Praxis

Inwiefern sich der Frust niederschlägt, ist völlig unterschiedlich. Hier ein paar tatsächliche Beispiele dafür:

1) Eine Bewerberin bewirbt sich telefonisch um eine Stelle im Vertriebsinnendienst. Sie klingt lasch, verbittert, so dass die Verkaufsleiterin ihr eigentlich sofort absagen möchte. Schließlich spricht sie die Bewerberin darauf an, möchte sie auch darauf aufmerksam machen, wie sie am Telefon wirkt, und bietet ihr dennoch einen Gesprächstermin an. Statt dessen kommt einen Tag später ein Brief mit der Post: Er enthält ein Schreiben, in dem die Vertriebsleiterin gemaßregelt und die Verbitterung begründet wird, sowie einen Zeitungsausschnitt der aktuellen Arbeitslosenstatistiken.
Die Bewerberin hat es für wichtiger gehalten, ihre Verbitterung zu begründen und "der Vertriebsleiterin die Augen zu öffnen", anstatt das Feedback anzunehmen und vor allen Dingen den Vorstellungstermin wahrzunehmen!

2) Der Bewerber ist gekündigt und sofort freigestellt worden. Er erhält noch ein Vierteljahr Gehalt. Obwohl das eigentlich "bezahlter Urlaub" ist, lässt er sich schon nach kurzer Zeit hängen: schläft morgens immer aus, zieht sich nach einiger Zeit gar nicht mehr richtig an, lässt auch die persönliche Hygiene schludern - und kann sich selbst nicht mehr leiden. Als der Zeitpunkt naht, da die Gehaltszahlungen des alten Arbeitgebers aufhören, weiß er, dass er sich bewerben sollte, bekommt es aber nicht auf die Reihe. Er verkriecht sich immer mehr.

3) Die Bewerberin hat ihren Job im Marketing verloren, weil ihre Firma zugemacht hat. Anfangs war sie noch ganz optimistisch und hat sich voller Energie beworben. Nach mehreren Wochen und Dutzenden von Absagen ist sie nicht mehr sicher, was sie überhaupt kann: Keiner will sie offenbar haben. Und die Bestätigung, die sie früher aus der Arbeit gezogen hat, fehlt ihr. Nach und nach wird sie immer unsicherer und traut sich gar nicht mehr, sich auf viele Stellen zu bewerben - sie glaubt, dass sie anspruchsvolle Stellen ohnehin nicht bekommen wird und wenn, dass sie den Anforderungen nicht gewachsen ist.

Das sind nur drei Beispiele aus unserer Praxis, die zeigen, wie unterschiedlich man mit Frust umgeht bzw. was für - nicht immer bewusste - Konsequenzen dies für einen selbst hat.
Schnell kann man in einen Teufelskreis kommen.



Sehen Sie Ihren persönlichen Frust-Auslösern
ins Auge

Umgehen mit Frust heißt nicht, dass Sie die rosarote Brille aufsetzen und so tun als ob nichts sei: Ihre Erfahrungen, Ihre Ängste und natürlich auch eine schwierige Arbeitsmarktsituation sind tatsächlich vorhandene Schwierigkeiten und Hindernisse. Einfach wegschieben wollen funktioniert erstens nicht und wäre zweitens auch schädlich!

Wichtig ist jedoch, sich auch wirklich konkret und direkt damit auseinander zu setzen. Schreiben Sie also für sich einmal auf:

- Was genau frustriert mich alles?

- Wie hat sich das bereits auf mich ausgewirkt: persönlich und auch in Bezug auf Aktivitäten?


Bitte gehen Sie hier so stark ins Detail wie möglich. Nur an der Oberfläche zu bleiben à la "Mich frustriert, dass ich keinen Job habe" - "Das zieht mich runter" bringt Ihnen überhaupt nichts. Denn zum einen wissen Sie das bereits, zum anderen können Sie mit so Pauschalaussagen nichts anfangen.

Nehmen wir das Beispiel der Marketingfrau eins weiter oben. Bei ihr wäre ein Aspekt dieser Konkretisierung, dass ihr Selbstbewusstsein leidet, dass sie sich nichts mehr richtig zutraut, dass sie mehr und mehr denkt, den Dingen nicht mehr gewachsen zu sein, dass ihr Know-how und ihre Sicherheit im Job verblassen.
Die Auswirkungen sehen in ihrem Fall vielleicht so aus, dass sie nicht mehr so viel unter Leute geht, dass sie extrem nervös ist, wenn sie tatsächlich eine Einladung zu einem Gespräch bekommt, dass sie plötzlich zögert oder ins Stottern gerät, wenn es um Fachfragen geht, dass sie den Blickkontakt nicht mehr so gut hält, dass sie privat den Kontakt zu ihrem Bekanntenkreis auf Null zurückschreibt, weil sie Angst hat, dass die anderen über berufliche Erfolge sprechen ...

DAS ist mit konkret & detailliert gemeint.

Sie erreichen damit zweierlei:

1. Sie sehen den vielen Facetten Ihres Frustes/Ihrer Angst ins Auge.

2. Sie können viel klarer damit umgehen, arbeiten und Lösungen finden, als wenn es ein undefinierter "Blob" ist.



Vorsicht vor Pauschalisierungen!

An dieser Stelle ein kurzer Einschub. Mehr und mehr machen sich Pauschalurteile breit à la "Jede Firma stellt derzeit aus", "Allen Firmen geht es schlecht", "In Deutschland braucht man für alles einen Titel, wenn man kein Studium hat, kann man es eh vergessen" ... - Derlei Pauschalisierungen sind nicht nur falsch (denn es geht nicht allen Firmen schlecht und es stellen auch nicht alle Firmen Leute aus und es ist keineswegs so, dass nur Akademiker Stellen bekommen ...), sondern Sie konservieren damit Ihren Frust auf Basis von undifferenzierter Propaganda.



Übernehmen Sie (wieder) die Kontrolle!

So unerfreulich und ernst eine Situation ist: So richtig schlecht geht es einem, wenn man sich als Spielball der Umstände fühlt. Man will, darf aber nicht - man sieht keine Chance, selbst etwas zu tun ... das öffnet Tür und Tor für die Resignation.

Doch genau das macht Ihre Situation noch viel schlimmer. Wichtig ist es, die Kontrolle wieder zu erlangen. Kontrolle heißt in dem Fall aber nicht, dass Sie erst dann wieder die Zügel in der Hand halten, wenn Sie eine Stelle haben. Kontrolle heißt, dass Sie in eigener Sache aktiv bleiben (bzw. es wieder werden).

Sie werden sehen, dass bereits das intensive Auseinandersetzen mit Ihrem Frust, wie ganz oben beschrieben, Ihnen ein besseres Gefühl gibt und Sie sich wieder mehr Herr der Lage fühlen und die so wichtige Energie damit zurückkommt.

Ein ganz wichtiger Aspekt ist auch, dass Sie Ihren Alltag in Zeiten der Arbeitslosigkeit organisieren und sich Ziele setzen.
Das heißt eben nicht, nur am Wochenende in den Stellenmarkt zu schauen - und dann mal eine Bewerbung zu schicken, wenn eine Stellenausschreibung passt - und es heißt auch nicht, wilden Aktionismus zu betreiben nach dem Motto "Je mehr, desto besser."

- Nehmen Sie sich ein realistisches Pensum vor und machen Sie Erfolgskontrolle.

- Organisieren Sie Ihren Tag sinnvoll durch, nehmen Sie Ihre Bewerbungsaktivitäten als "Arbeit" und stehen Sie beispielsweise morgens regelmäßig auf.

- Entscheiden Sie sich für mehrere Wege der Stellensuche - alles, was Sie aktiv tun können. (Verlassen Sie sich nicht nur auf Stellenausschreibungen. Gerade bei schlechter Arbeitsmarktlage wird der Stellenmarkt auch deshalb ziemlich dünn, weil die Firmen sehr viele Initiativbewerbungen erhalten und deshalb gar nicht erst zu schalten brauchen.)


Tipp: Kleidung hat einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und auch das Selbstbewusstsein. Ziehen Sie sich also "richtig" an, auch wenn sie zuhause sind. Lassen Sie sich nicht hängen!




Kümmern Sie sich um sich persönlich

Sehr wichtig ist es, dass Sie sich um sich persönlich kümmern. Dazu gehört beispielsweise, dass Sie auch darauf achten, sich zu entspannen. Das klingt vielleicht seltsam und es ist in einer angespannten Situation alles andere als leicht, dennoch ist es der Schlüssel dazu, dass es Ihnen so gut geht, dass Sie auch aktiv bleiben können und einen überzeugenden Eindruck machen.

Wenn Sie schon länger arbeitssuchend sind, dann kennen Sie das Gefühl, dass trotz "vieler freier Zeit" sich extrem viel Stress anhäufen kann. Auch wenn man gerade mal nichts tut, spazieren geht oder fernsieht, hat man mitunter ein schlechtes Gewissen, denn man sollte ja eigentlich was tun für die Bewerbung.

Oben hatten wir es schon erwähnt: Hektischer Aktionsismus nützt Ihnen gar nichts. Lieber sinnvoll ausgewählte Firmen anschreiben und qualitativ gute (individuelle!) Bewerbungen verschicken anstatt massenweise Bewerbungen raushauen, die mehr oder weniger Fließbandware sind.

Gönnen Sie sich auch Auszeiten und kümmern Sie sich um Ausgleich: ob das Sport ist, ob es lesen ist oder ob Sie sich tagsüber einfach mal mit einer Zeitung in ein Café setzen möchten. Planen Sie auch Auszeiten ein.
Viele Menschen tun sich leichter damit, wenn sie ihren Tag mit "Arbeit" und "Auszeit" durchplanen - und sind dann in beiden Disziplinen viel intensiver bei der Sache.

Vertrauen Sie sich Freunden auch offen an. Tun Sie nicht so, als ob Sie Ihre Arbeitslosigkeit einfach so wegstecken, wenn Sie frustriert sind oder Angst vor der Zukunft haben. Signalisieren Sie im vertrauten Kreis auch, dass es Ihnen nicht gut geht. Nur dann kann man Ihnen hilfreich zur Seite stehen.

Achten Sie bitte auch darauf, dass Sie sich gut ernähren und genug trinken. Das mag jetzt als Tipp für Bewerbungen etwas seltsam erscheinen, ist aber vollkommen ernst gemeint: Ihre persönliche Verfassung, auch Ihr Nervenkostüm, wird wesentlich davon beeinflusst, wie Sie sich ernähren. Und damit auch Ihr Energiepegel.



Die Devise lautet: Realistisch sein, mit dem Frust umgehen - aber aktiv in eigener Sache bleiben.



Autorenbild Gitte HärterÜber die Autorin:

(c) Gitte Härter
eMail: objektiv@selbstmarketing.de

Gitte Härter war selbst Führungskraft und viele Jahre Coach und
Trainerin. Außerdem hat sie über zwei Dutzend Ratgeber
veröffentlicht: www.schreibnudel.de .

Gemeinsam mit Christine Öttl hat sie unter anderem
Bewerbungsratgeber veröffentlicht.

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